Frank Wolff

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Yoga ist auch für Spätberufene möglich

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Der Einstieg ins Yoga ist in jedem Alter möglich. Die Praxis sollte aber angemessen für den eigenen Körper sein. Yoga bei Arthrose oder Rückenproblemen benötigt unter Umständen eine gewisse Vorbereitung. Mich hat eine interessante Rückfrage zu meiner Praxis erreicht, die mich zu folgendem Blogbeitrag über Yogatherapie inspiriert hat:

Die Frage lautete wie folgt:

„Ich habe immer wieder Rückenprobleme und starke Arthrose in den Knien. Gerne würde ich Yoga ausprobieren, habe es aber nie gemacht, da ich Sorge hatte, mehr kaputt zu machen und mit dem Glaubenssatz unterwegs bin, dass ein Lehrer entsprechende medizinische Kenntnisse haben sollte. Ist das totaler Quatsch? Könntest Du mir da was empfehlen? Kann das ein Yogalehrer überhaupt gut einschätzen und mir helfen? Über ein Feedback würde ich mich sehr freuen.“

 

Zusammenfassung

 

  • Bestehen gesundheitliche Vorschädigungen, sollte man beim Yogaeinstieg darauf achten, dass man seinen Körper sinnvoll vorbereitet. Zuviel im Yoga auf einmal zu wollen, kann die Beschwerden verstärken statt lindern.
  • Heilungsunterstützung mit Yoga oder Yogatherapie bei Rücken- oder Knieproblemen ist möglich und sinnvoll!
  • Unter Umständen ist es aber nötig, die Yogapraxis  mit einem  Yogatherapietraining vorzubereiten.
  • Alterungs- und chronische Erkrankungsprozesse können zumindest hinausgezögert und das Leben mit Yoga lebenswerter gestaltet werden.
  • Sinnvoll und nötig ist die sorgfältige Auswahl eines qualifizierten Yogatherapielehrers.

 

Yoga ist auch für ältere Neueinsteiger geeignet!

 

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich einen Schnupperyogakurs für MiterarbeiterInnen einer kommunalen Verwaltung angeboten. Der wurde so rege angenommen, dass ich gleich einen zweiten Termin hinterher schieben musste. Es ergab sich als Resonanz eine neue Yogagruppe, die mit mir mehr als ein Jahre lang praktiziert hat.

In dieser Gruppe waren sehr viele Yoganeueinsteiger im 2. Lebensabschnitt. Das schöne war, sie hatten bis dato keine Berührung bzw. Vorstellung, wie Yoga aussehen sollte. Das weniger Gute war, dass 40 Prozent der Übenden Rückenprobleme oder gar akute Bandscheibenvorfälle hatten.

Die Neuyogis hatten großen Spaß im Kurs und haben nicht gemerkt, dass ich im ersten Kurstrimester (ca. 10 Unterrichtseinheiten) eher ein Yogatherapiekonzept zur Kräftigung des Rückens unterrichtet habe. Im zweiten Trimester (weitere 10 Unterrichtseinheiten) haben wir uns mit anatomisch angepasster Ausrichtung der Asanas beschäftigt. Und so langsam wurde daraus dann im dritten Trimester eine ganz normale Yogagruppe bzw. -Stunde, wie man sie in jedem Yogastudio besuchen kann.

Warum erzähle ich das hier: Ich möchte Dich ermutigen, Yoga zu probieren. Auch wenn Du schon älter bist oder auch, wenn körperliche Einschränkungen oder Vorschädigungen vorliegen! Mit einer  sachverständigen Einführung ist der Einstieg in die Yoga-Praxis in jedem Alter möglich!

 



Unterstützung von Heilungsprozessen mit Yoga ist möglich

 

Sofern akute Verletzungen oder Vorschädigungen vorliegen, ist eine strukturierte Vorbereitung auf die Yogapraxis sinnvoll oder manchmal nötig!

Ich selbst war in meiner aktiven Yoga-Zeit bisher zwei Mal ernsthafter verletzt. Einmal im Rücken (Bandscheibenvorfall) und einmal im Knie (Meniskusanriss).

In solchen Fällen arbeite ich immer mit einem mehrschichtigen Heilungsansatz. Ich lasse einen Orthopäden das Problem analysieren und mir Vorschläge zur Therapie machen.

Ich arbeite in meiner Trainingspraxis fallweise mit Physiotherapeuten zusammen. Daher lasse ich auch von einem Physiotherapeuten mein Problem analysieren bzw. eine Funktionsanalyse machen und mir Trainingsvorschläge geben.

Darüber suche ich im theoretischen Fundus der Yogatherapie (Literaturhinweise dazu findest Du am Ende des Beitrags) nach adäquaten Heilungsansätzen.

Ergänzend recherchiere ich im Netz nach neuesten Forschungsergebnissen und daraus resultierenden sinnvollen Trainingsempfehlungen.

Aus diesen Hinweisen stelle ich mir MEINEN persönlichen Therapie- bzw. Trainingsplan zusammen.

So oder so ähnlich arbeiten ambitionierte Yogalehrer an ihren eigenen Problemen und auch an den Problemen Ihrer Teilnehmer. Yogis entwickeln häufig sehr viel Leidenschaft, Ihre gesundheitlichen Probleme zu lösen, auch wenn das manchmal Jahre dauern kann. Ein schönes Beispiel findest Du hier.

Im angefragten Fall mit der Arthrose  müsste man genauer hinschauen, sind Schmerzen vorhanden oder liegen schon konkrete Bewegungseinschränkungen vor? Gegebenenfalls ist es dann erforderlich, einen Yogatherapieplan vorzuschalten, in dem man daran arbeitet, die Schmerzen zu reduzieren oder zumindest erträglich zu gestalten.

Liegen Bewegungseinschränkungen vor, ist es sinnvoll in Einzelstunden persönlich angepasste Übungen zu erlernen, um im Gruppenkurs selbstständig die Asanas dem Beschwerdebild anzupassen.  In Gruppenkursen haben die Lehrer meist nicht die Zeit, sich um solche Detailthemen zu kümmern.

Nach Erlernen einer geeigneten, individuellen Ausrichtungstechnik kann man eigentlich alle offenen Yogastunden besuchen. Man sollte aber seine persönlichen Grenzen immer im Auge behalten.

Der Yogatherapielehrer kann auch dabei helfen, einen passenden Yoga-Stil zu finden. Ist dieser gefunden, kann man mit dem neuen Wissen über den eigenen Körper an regulären Yogaangeboten teilzunehmen. In einer Gruppe (Sangha oder Kula) macht das Üben einfach mehr Spaß.

 



Yogatherapie erfordert Geduld, Achtsamkeit und vor allem Zeit

 

Eine befreundete buddhistische Yogalehrerin hat das mal als „Taking Refuge into the Body“, also „Zuflucht zum eigenen Körper nehmen“ formuliert. Wenn man mit Yoga und Yogatherapie Heilung unterstützen möchte, dann sollte man genügend Zeit und Achtsamkeit mitbringen, damit der Körper auch die nötigen Raum hat und die nötige Zeit dafür bekommt.

In der heutigen Zeit neigen wir dazu, alles schnellstmöglich erledigen zu wollen. „Ach, ich leg mich mal schnell unters Messer, und dann geht es zügig wieder weiter mit dem Training“. Den Spruch habe ich in verschiedenen Sportarten, die ich betreibe (u. a. auch beim Laufen), schon oft gehört. Das funktioniert aber in der Yogatherapie nicht. Dort lernt man, den Leistungsdruck und Leistungswillen ein Stück weit an der Garderobe abzugeben, sich mit dem Körper zu verbinden und mit ihm zu arbeiten bis er wieder gesund ist.

Als ich die akuten Rückenprobleme hatte, habe ich 3 Monate lang nur Yogatherapie-Yoga und keinen einzigen echten Twist der Wirbelsäule gemacht, jedenfalls so lange nicht, bis die Schmerzen weg und die Rumpfmuskulatur in der Problemzone im unteren Rücken entsprechend gestärkt war.

Und auch bei meinem Knieproblem hat es – auch wenn man täglich seine Yogatherapieübungen macht –  ca. drei Monate gedauert, eh ich wieder in die Laufschuhe steigen und mit meinem Trainingsprogramm zur Vorbereitung meiner Alpenüberquerung beginnen konnte.

Die Geduld, die man dafür benötigt, ist möglich, aber der Prozess fordert einen, vielleicht das ein oder andere zu ändern. Aber mit einer klaren Entscheidung für den eignen Körper und am besten mit Hilfestellung durch einen erfahrenen Yogatherapielehrer lohnt sich diese Mühe.

 



Qualifizierte Yogalehrer sind vorhanden aber man muss schon ein wenig suchen

 

Es gibt in vielen größeren Yogastudios bereits spezielle Yogastunden, in denen themenspezifisch (z. Bsp. „Rückenyoga“) unterrichtet wird. Die Yogalehrer, die diese Stunden unterrichten, haben in der Regel entsprechende Fortbildungen besucht oder verfügen gar über Doppelqualifikationen, z. Bsp. als Physiotherapeut oder auch als Osteopath. Die Qualifikation kann und sollte man im Zweifel beim Studio oder beim unterrichtenden Lehrer hinterfragen.

Manche Lehrer bemühen sich auch um eine Zertifizierung ihrer Kurse bei der Zentralstelle für Prävention. Diese prüft die Sinnhaftigkeit der vorgelegten Trainingskonzepte und die notwendigen Qualifikationen der dort registrierten Yogalehrer.

Es gibt verschiedene Fortbildungsprogramme „Yogatherapie“ für Yogalehrer. In diesen Weiterbildungen werden idealerweise gemeinsam mit Orthopäden, Physiotherapeuten und anderen Ärzten sinnvolle Übungen und Trainingskonzepte je Krankheitsbild entwickelt und geschult.

Ich selbst bin Mitglied im Svashta Yogatherapie Netzwerk, in dem sich weltweit Yogalehrer, die bei Dr. Ganesh Mohan und Dr. Günter Niessen ausgebildet wurden, zusammengeschlossen haben und die sich regelmäßig über aktuelle Fälle oder Themen im Bereich Yogatherapie austauschen.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass sich mit etwas Suchaufwand ein geeigneter Yogalehrer finden lässt. Auch bei  Vorschädigungen oder bestimmten Krankheitsbildern lässt sich ein passendes Yogaangebot gestalten!

 



Weitere Literaturempfehlungen

 

Ein Fundus von guten Artikeln zum Thema „Yogatherapie“ ist auf der Homepage von Dr. Günter Niessen zu finden.

Eine weitere wunderbare Informationsquelle ist auch die Harvard Medical School, in der man sehr viel nützliche und wissenschaftlich überprüft Informationen zu Therapieansätzen bei allen möglichen Krankheitsbildern und Aging-Fragen finden kann.

Viel Spaß beim Lesen!

 

Beste Grüße, Frank

 

PS: Einen herzlichen Dank an die allerbeste Yogatherapielehrerin aus Darmstadt <3, Martina Vogt von Deva Yoga , die mich seinerzeit auch bei der Therapie meines Knies unterstützt hat, für den Pre-Check dieses Beitrages!

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