Frank Wolff

Frank Wolff

Kannst Du mir Einführungsliteratur zu Yogastilen oder eine Yoga-App empfehlen?

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“Yoga besteht zu 1 % aus Theorie und zu 99 % aus Praxis und Erfahrung!” – Pattabhi Jois

 


 

Auswahl der Schulen

 

Es gibt Lehrer oder Schulen, die haben gute Einführungsbücher geschrieben. Beispiele etwa: B.K.S Iyengar „Licht auf Yoga“ oder „Der Weg zu Gesundheit und Harmonie“.
Im Shivananda System gibt es neben dem Ausbildungsmaterial zur Lehrerausbildung auch schöne Einführungsbücher, zum Beispiel „Das große illustrierte Yoga Buch“ von Sami Vishnudevananda.
Andere Linienhalter oder Schulen finde ich intellektuell, formulieren wir es vorsichtig „weniger erleuchtet“ als andere. Da können dann auch nicht unbedingt gute Bücher entstehen. Müssen Sie auch nicht, denn es kommt auf die physische Praxis an und nicht auf den Literaturnobelpreis.
In meiner Yogananfangszeit war es ein Hobby von mir, mir alle diese Bücher kaufen zu wollen, um sie ins Regal zu stellen, weil ich dachte, ich würde sie irgendwann mal lesen. Das wird aber in diesem Leben aus folgenden Gründen nicht mehr passieren.

 

Die Verwirrung im Asana Hype

 

1. Der ganze Asana Hype ist eigentlich unsinnig und überzogen. Was heute als physische Asana-Praxis alles “verkauft” wird, ist yogaentstehungsgeschichtlich relativ jung, max. 100-200 Jahre alt. Ganz früher haben die Yogis ihren Körper eigentlich nur soweit gestärkt, dass sie lange genug für die Mediation sitzen konnten.
Man brauchte sich nicht den Fuß hinters Ohr klemmen zu können, um glücklich bzw. erleuchtet zu werden.
2. Manche Yogabücher referenzieren auf die älteren Schulen (wie etwa die Krishnamacharya-Schule), das hat den Vorteil, dass die Praxis einige Generationen erprobt ist.
Ganz junge Asana Einführungsbücher stützen sich zunehmend auf moderne Erkenntnisse aus dem Funktional Movement, was bewegungstechnisch unter Umständen sogar gesünder ist, als sich auf die älteren Linien-Wurzeln zu stützen.
Wenn man ein bis zwei Ausrichtungssysteme (wie etwa Anusara oder die Spiraldynamik o. ä.) gut beherrscht, dann reicht es völlig aus, um in seiner physischen Asana-Praxis glücklich zu werden.

 

Mein Tipp 

 

Probiere die Schulen/Stile mit Deinem KÖRPER durch,  nicht mit dem KOPF! Dein Körper/Geist wird Dir signalisieren, welche Schule DIR gut tut. Und da bleibst Du bis er Dir sagt, dass er was Neues braucht, und dann ziehst Du weiter.
Bei mir war der Weg : Shivananda – Anusara – Vinyasa Flow – Anusara in Verbindung mit Yin Yoga. Die Shivananda Zeit war super wegen Ankommen im Yoga, spüren lernen und Übersicht verschaffen. Als es physische Probleme gab, weil das Shivanada nicht viel wert auf korrekte Ausrichtung und Stabilität legt, bin ich zum Anusara gewechselt.
Als mein Körper stark genug war, wurde mir Anusara zu langweilig, und ich bin über einen Exkurs ins Jivamukti Yoga zum Vinyasa Flow gewechselt, weil man da einfach freier fließen kann und mehr Kreativität drin steckt.

Individualisierung der Praxis ist der Schlüssel zur “Erleuchtung”

 

Jetzt, wo ich die 50 passiert habe und mir die Meditation zunehmend wichtiger wird, setzt ich mich einfach nur noch auf die Matte, spüre in mich hinein und lasse mir von meinem Körper vorschlagen, was er grad braucht.
Fühlt es sich an wie Yin, wähle ich eine entsprechende Onlineklasse oder ich suche mir eine Studioklasse, die ich besuchen kann. Falls es was kraftvolleres sein soll, wird es halt kraftvoll.
Ähnlich ist es auch mit den Lehrern. Diese Auswahl ist mir mittlerweile fast noch wichtiger als der Yogastil als solches: Wenn ich von einer längeren Autofahrt nach Hause komme und der Rücken ist gestresst, dann fahre ich zur Lehrerin x, weil ich weiß, die kennt mein Problem und hat ein paar tolle Assists, um die Wirbelsäule wieder mal richtig zu strecken und zu kräftigen. Habe ich mal schlecht geschlafen oder komme ich erschlagen von der Arbeit nach Hause, dann gibt es Yin mit Lehrerin y. Oder wenn psychischen Stress habe und der Geist braucht Ruhe, dann mach ich Slow Anusara mit Lehrerin Z, weil die Kirtan singt, und so eine beruhigende tiefe Stimme hat und in Ihrer Flow-Geschwindigkeit eigentlich immer etwas mit angezogener Handbremse unterwegs ist, dass mein Körper in jeder Sekunde ans Hirn funkt „Alles wunderbar ruhig hier, Danke heute Abend gehen wir beide entspannt zusammen auf die Couch“!

Dahin kommst Du aber nur, wenn Du viel ausprobierst und Dich umschaust, was es alles so gibt. Das wirst Du nie mit Einführungsbüchern lernen können.

 


 

Apps für unterwegs

 

Ich bin keine App-Experte, daher nur ein paar kurze Gedanken zum Thema. Als Anfänger solltest Du zurückhaltend mit Apps umgehen und lieber einen qualifizierten Yogalehrer suchen, jedenfalls so lange bis Du Dir ein Grundrüstzeug an Asana-Praxis angeeignet hast. Ansonsten besteht die Gefahr, dass man Asanas falsch einübt und sich im schlimmsten Fall sogar selbst verletzt!

Virtuelle Klassen sind auch nicht in der Lage die Energie zu ersetzen, die entstehen kann, wenn die richtige Gruppe (Sangha oder Kula) und ein qualifizierter Lehrer gemeinsam übt. Das fühlt sich einfach noch mal besser an. Man ist in der Regel auch mehr motiviert als wenn man alleine im stillen Kämmerlein übt!

Ich selbst wandere nicht viel rum im virtuellen Yogastudio des www., weil ich meist nur dorthin gehe, wo die Lehrer unterrichten, für die ich mich gerade besonders interessiere oder mit denen ich befreundet bin.

Die bekanntesten deutschsprachigen Plattformen sind YogaEasy und Yogamehome. Viele Lehrer die auf den beiden Plattformen unterrichten, kenne ich persönlich. Die sind durch die Bank fachlich gut.  Yogaeasy habe ich auch schon im offline bzw. download-Modus auf dem iPad benutzt. Das klappt fehlerfrei.

Englischsprachig wird im meinem Freundeskreis oft auch  Yogaglo benutzt. Auf der Plattform war ich aber selbst noch nicht.

Da die großen Plattformen meistens Standardklassen anbieten, die im Format und und in der Darbringungsstruktur der Plattform angepasst werden müssen, wandern sehr gute Lehrer auch immer öfter auf freiere Plattformen aus, wo sie umfangreichere Klassen oder Workshopmodule auch selbst verkaufen können. Eine bekannte Plattform dieser Art ist TINT. Diese habe ich aber auch noch nicht ausprobiert, weil ich die Lehrer lieber persönlich in Ihren Workshops besuche.

Kürzlich war ich auf dem deutschen Anusara Gathering 2019 mit  Desirée Raubaugh und Andrew Rivin. Die sind beide auch auf TINT. Aber wenn sie Dich persönlich ausrichten oder Dich im persönlichen Gespräch motivieren, mal neue Grenzen zu versuchen, dann wird sehr deutlich, wo die Grenzen von diesem virtuellen Zeug liegen!

Ich wünsche Dir weiterhin viel Spaß beim Üben!

 

Herzlich, Frank

 

Literaturempfehlungen:

 

Yoga Der Weg zu Gesundheit und Harmonie – B. K. S. Iyengar – Darling Kindersley – ISBN 978-3-8310-2119-2

Licht auf Pranayama – B. K. S. Iyengar – O. W. Barth –  ISBN 978-3-426-29213-6

Das große illustrierte Yoga Buch – Sami Vishnudevananda – Bell Publishing – ISBN 978-3-89901-183-8

 

 

 

 

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