Frank Wolff

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Privat: Achtsamkeitspraxis aus christlicher Perspektive

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Pater Anselm Grün war anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Dürener Gesellschaft für Arbeitsförderung (DGA) in Düren und hat dort zum Thema Achtsamkeit aus christlicher Perspektive einen Vortrag gehalten und sein Buch “Türöffner – Schlüsselbund für ein achtsames Leben” vorgestellt.

Der Vortrag von Pater Anselm Grün war wie alle seine Vorträge, die ich bisher besucht habe, brilliant. Leider kam er in seinem einstündigen Vortrag nicht über einführende “Achtsamkeitsbasics” hinaus, aber in seinem Buch, das er zusammen mit Christoph Gerhard und Erwin Sickinger geschrieben hat, finden sich in den hinteren Kapiteln, hier insbesondere in den Kapiteln IV. und V. viele Beispiele und Anleitungen, wie man Achtsamkeit auch in der christlichen Praxis vertiefen kann (zum Beispiel: Segensritual am Morgen / Worte der Bibel wiederkäuen / Gebet der liebenden Aufmerksamkeit am Abend / Gespräch mit dem Ehepartner oder Freund).

Das Buch ist somit eine sehr schöne Ergänzung zu dem vielfältigen, meist buddhistisch geprägten Material, was gerade in der Achtsamkeitsszene so en vogue und unterwegs ist.

Besonders schön fand ich die Übung IV.6. Den inneren Raum spüren aus dem Buch, die er zum Abschluss seines Vortrages mit der versammelten Zuhörerschaft praktiziert hat und die ich hiermit gerne teile:

 

Du brauchst Gott weder hier noch dort zu suchen: Er ist nicht ferner als vor der Tür des Herzens.

 

Da steht er und harrt und wartet, wen er bereitfinde, der ihm auftue und ihn einlasse. Du brauchst ihn nicht von weither herbeizurufen: Er kann es weniger erwarten als du, dass du ihm auftust.

 

Es ist ein Zeitpunkt: das Auf tun und das Eingehen.

 

MEISTER ECKART

 

“In den Kursen in Münsterschwarzach sprechen wir immer von dem inneren Raum, zu dem der Lärm des Alltags keinen Zutritt hat, in dem wir frei sind von den Erwartungen und Ansprüchen der Menschen. Wir machen dann eine Übung, um den inneren Raum zu spüren. Wir stellen uns hin und kreuzen die Arme über der Brust. Wir umarmen uns mit den Gegensätzen, die in uns sind: »Ich umarme das Starke und Schwache in mir, das Gesunde und das Kranke, das Gelungene und das Misslungene, das Vertrauen und die Angst, den Glauben und den Unglauben.«

Wenn ich mich mit meinen Gegensätzen angenommen habe, kann ich die Gebärde der überkreuzten Arme auch als Schutz verstehen für den inneren Raum der Stille. Ich schütze diesen inneren Raum der Stille, der unterhalb von allen Emotionen und Gedanken, unterhalb von allen Gegensätzen, unterhalb von allem Chaos in mir ist. Und in diesem Raum der Stille erlebe ich mich auf fünf verschiedene Weisen:

 

l. Ich bin frei von den Erwartungen und Meinungen der anderen Menschen.

 

2. Ich bin heil und ganz. Die verletzenden Worte treffen mich emotional immer noch. Doch in den inneren Raum können sie nicht eindringen. Dort kann ich Zuflucht nehmen, wenn ich mich verletzt oder kritisiert fühle.

 

3. In meinem inneren Raum bin ich ursprünglich und authentisch.

Die Bilder, die andere mir übergestülpt haben, lösen sich auf. Auch meine mich entwertenden oder überschätzenden Selbstbilder lösen sich auf. Ich brauche mich nicht zu rechtfertigen oder zu beweisen. Ich bin einfach.

 

4. Dort bin ich rein und klar. In diesen inneren Raum haben die Selbstvorwürfe keinen Zutritt. Trotz aller Fehler, die ich gemacht habe, trotz aller Schuld, an der ich trage, ist dieser innere Raum ohne Schuld. Darin bin ich ganz ich selbst.

 

5. Dort, wo das Geheimnis Gottes in mir wohnt, kann ich bei mir daheim sein.“

 

Türöffner – Schlüsselbund eines achtsamen Lebens, S. 110-111 – Anselm Grün

Buchempfehlung:

 

Türoffner – Schlüsselbund für ein achtsames Leben – Vier Türme Verlag – ISBN 978-3-7365-0072-3

 

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