Meditation

Meditation lernen: Die Grundprinzipien

Es gibt verschiedenste Arten von Meditation. Ich selbst habe auf meinem Yogaweg mindestens zwei Anläufe benötigt, ehe ich “meine” Herangehensweise an die Meditation gefunden habe, die im Wesentlichen buddhistisch ist und die ich auch in meinen Stunden unterrichte:

Meditieren zu lernen ist gerade für Einsteiger ohne richtige Anleitung oft schwer. Meditation ist eine Praxis, die der Mensch schon seit Jahrtausenden übt. Die Suche nach ihren Wurzeln führt uns häufig in den fernen Osten, doch auch im Christentum wurden Meditationsformen bereits vor Jahrhunderten praktiziert.

Dabei gibt es verschiedene Formen der Meditation, die sich im äußeren Erscheinungsbild und in der inneren Geisteshaltung unterscheiden. Bei der äußeren Form differenziert man zwischen zwei Meditationsarten:

Passive Meditation: Hierbei sitzt der oder die Meditierende, manchmal liegt oder steht er aber auch. In jedem Fall bewegt er sich nach Möglichkeit nicht. Dazu zählen zum Beispiel die Vipassana-, die Zazen- und die Samatha-Meditation. Auch die modernen Achtsamkeitsübungen leiten sich von diesen Meditationsformen ab.

Aktive Meditation: Bei diesen Meditationsarten werden körperliche Übungen ausgeführt, die Stimme benutzt oder Achtsamkeit in Handlungen integriert. Hierzu zählen zum Beispiel Formen von Yoga, Tantra oder auch bestimmte Kampfkunststile. Auch bewusstes Gehen oder Rezitieren von Gebeten und Mantras gehören zur aktiven Meditation.

So unterschiedlich die Meditationsformen auch sein mögen, bei allen ist die Konzentration oder Bündelung der Aufmerksamkeit der wesentliche Kern. Der oder die Meditierende kann sich dabei auf bestimmte Objekte konzentrieren, etwa den Atem, Gedanken, körperliche Empfindungen und Emotionen, aber auch auf ein Bild vor dem inneren Auge, Geräusche oder Düfte.

Das Ziel ist es, den Geist zu fokussieren und zu beruhigen. Wenn Du dies regelmäßig und über längere Zeit tust, wirst Du von den positiven Effekten von Meditation profitieren. Dazu gehören zum Beispiel eine stabilere Gesundheit, ein gestärktes Immunsystem, einen verminderten Stresslevel, ein verbessertes Erinnerungsvermögen, emotionale Ausgeglichenheit oder besserer Schlaf.

 

Die Praxis von Shamata als Basis der Meditation

Das Wort “Buddhist” heißt im Tibetischen “Nang-pa”. “Nang” bedeutet “innerlich”, “pa” bezeichnet die Person, die sich damit beschäftigt. Ein “Nang-pa” ist also jemand, der sich mit dem Inneren befasst. Schon dieses Wort weist darauf hin, worum es den Ausübenden in der Meditation geht: das Innere, oder besser, das eigene Bewusstsein.

Betrachtet man die Ursachen und Umstände, die zu Glück und Leiden führen – die äußeren und die inneren – sind die inneren bedeutsamer. Glücksempfinden stellt sich nicht ein, wenn der Geist (= Bewusstsein) in Unruhe ist. Es macht daher hohen Sinn, mit dem eigenen Bewusstsein zu arbeiten. Manche Buddhisten nennen die Meditation daher auch “Geistestraining”

Ein wesentlicher Baustein im Geistestraining, den man auch in anderen Yogaphilosophien findet,  ist die Verwendung verschiedener Techniken, den Geist zur Ruhe zu bringen. Der Begriff hierfür heißt “Shamata” (Sanskrit) bzw. “Shine” (tibetisch). Der Gelehrte Patanjali versuchte dereinst in den ersten 4 Versen seines Yoga Sutra zu erläutern, worum es im Yoga geht:

Yoga Sutra Vers 1.2 :

in Sanskrit geschrieben:  1.2. योगश्चित्तवृत्तिनिरोधः

gesprochen:  yogaś-citta-vṛtti-nirodhaḥ

 vereinfacht übersetzt als: “Yoga ist das zur Ruhe bringen der Gedanken im Geist.“ 

Der Begriff “Shamata” wird  oft  auch synonym verwendet mit  den Begriffen “Achtsamkeit” oder “Konzentration”

Dennoch besteht für manche Buddhisten doch ein gewisser Verständnisunterschied, weil für sie Shamata einer besonderen Ausrichtung dient: Die Ausrichtung auf die Einhaltung der buddhistischen Lebensregeln. Ist man konzentriert bzw. achtsam und kennt die Regeln, verhält man sich regelkonformer in Bezug auf die Einhaltung dieser Regeln.  Hierdurch lebt man glücklicher. 

Im Umkehrschluss legt die Einhaltung der ethischen Lebensregeln das Fundament für eine ausreichende Konzentration.

Shamata ist das Grundgerüst der buddhistischen Praxis. Diese Konzentration ist auch in säkularen Meditationsformen, wie etwa in der von John Kabatt Zinn begründeten MBSR-Bewegung, die Grundlage der Praxis. Dort wird der Begriff wird der Begriff manchmal auch übersetzt als “friedvolles Verweilen”.

In der Shamata Meditation benutzt man verschiedene Techniken, die sich durch das Meditationsobjekt unterscheiden. Die Atmung, Gegenstände, Gefühle oder auch Geräusche können das Konzentrationsobjekt der Meditation bilden. In fortgeschritteneren Stufen lässt man das Meditationsobjekt manchmal auch ganz weg und lässt den Geist einfach im offenen Gewahrsein ruhen. 

Meditationseinsteiger stellen schnell fest, dass es nicht leicht ist, den Geist zu beruhigen. Oft ist der Kopf voller Gedanken. Zur Beschreibung dieses Problems werden häufig Bilder wie “Monkey Mind” oder auch “Gedankenfabrik” verwendet. Es ist aber ein normaler Zustand, von dem man sich nicht von der Meditation abhalten lassen sollte.

Alle Shamata Übenden verfolgen das Ziel, möglichst lange und so stabil wie möglich in dieser Shamata Konzentration zu verweilen! Auch, wenn man nicht gleich eine vollendete geistige Ruhe über längere Zeit erreichen kann, wird man eine ausgeglichenere Konzentration hervorbringen können, die sich wohltuend anfühlt.

Wird das Ziel einer langen Shamata Konzentration erreicht, spricht man auch davon, dass sich ein Zustand von “Samadhi” einstellt. Viele nicht-buddhistische Meditationsschulen hören bei Erreichen dieses Ziels dann auch auf mit der Meditation. Die Meditation hat an dem Punkt für sie das Ziel erreicht.

Die Intention der Vipassana Meditation

Buddhisten beginnen nach Erreichen der Shamata Ruhe oftmals mit  Techniken der sog. Vipassana Meditation. “Vipassana” (Sanskrit) bzw. “Lhaktong” (tibetisch) bedeutet soviel wie “Einsicht”. In Vipassana-Meditationsformen geht es im Wesentlichen darum, die Einsicht in die buddhistische Philosophie zu vertiefen und in Erfahrung umzuwandeln. Diese Meditationsart wird auch in anderen Weisheitstraditionen genutzt, nur nennt man sie dort nicht Vipassana Meditation. Sie kann genutzt werden, auch andere (philosophische) Inhalte zu vertiefen.

Doch bevor man bestimmte philosophische Inhalte vertiefen kann, muss man sich zunächst ein Mindestmaß an Wissen über die Philosophie aneignen. Das erklärt auch das weniger bekannte Zitat des Dalai Lama in dem Zusammenhang:

“Was willst Du meditieren, wenn Du nichts weißt?!” – Dalai Lama

Wissen ist im Buddhismus somit die Basis aller Meditation. Daher verwenden Buddhisten abseits vom Meditationskissen auch Zeit und Energie darauf, Logik und Ethik zu studieren, um  die relevanten Wissensinhalte ihrer Philosophie zu überprüfen. Erst danach bemüht man sich, diese in der Vipassana Meditation zu vertiefen. Das vermeidet die Aneignung unsinniger oder falscher Inhalte.

Übersetzt man das Wort “Vipassana” aus dem Sanskrit ins Deutsche, kann man es als „Auseinander-Sehen“ umschreiben. Diese Art des Sehens kannst du Dir als ein tiefgreifendes Erfassen äußerer und innerer Zusammenhänge vorstellen. Dies ermöglicht ein fehlerfreies Verständis bestimmter Sachverhalte. Das korrekte Verstehen wird häufig durch eine verzerrte Sicht auf die Dinge verhindert. Wenn wir Dinge durch unsere Prägungen und Emotionen betrachten, sehen wir sie womöglich nicht korrekt! Es ist jedoch das Ziel, die Dinge so wahrzunehmen, wie sie wirklich sind. Um zu einer korrekten Sicht zu gelangen, ist es erforderlich, Gedanken und Gefühle genau zu analysieren. 

Diese Auseinandersetzung in der Meditation bringt auch mehr Klarheit auch im Alltag.  Deine Emotionen und Gedanken werden durch die regelmäßige Übung besser reguliert. Du wirst dadurch gleichmütiger und glücklicher im Leben unterwegs , weil Dein Bewusstsein durch die Ausgeglichenheit mehr in Balance und in mehr Ruhe befindet.

Buddhisten meditieren auch,  weil sie sich von verschiedenen Formen von „Duhkha“ (Sanskrit) bzw. „Dukkha“ (Pali) befreien möchten. Das wird oft als “Leiden” übersetzt. Der Begriff ist aber im Buddhismus weiter gefasst als in der christlich-abendländischen Denktradition. Dukha wird im Buddhismus auch verstanden als Schmerz, Traurigkeit, Unruhe, Drangsal, Angsterfahrung, Isolation, Todesgewissheit. Dieses Dukha ist ein Teil unserer selbstgeschaffenen Lebenswirklichkeit.  Die Überwindung einer verzerrten, selbsterzeugten Lebenswirklichkeit ist ohne Vipassana Meditation nicht möglich. 

Abschließend bleibt festzuhalten, dass man kein  Buddhist sein muss, um Vipassana Meditation zu praktizieren.

Für Meditierende geht es bei der Vipassana Meditation also darum, bestimmte Erkenntnisse zu vertiefen. Dies ist wissenschaftlich nur schwer überprüfbar. Viele Meditierende verfolgen mit der Mediation häufig auch nur einfache Ziele wie mehr Ruhe, Entspannung und Resilienz. 

Die Meditation genießt seit einiger Zeit in der wissenschaftlichen Forschung eine größere Aufmerksamkeit. Bisherige Studien beziehen sich nur auf den Oberbegriff der Meditation. 

Laut dem Wissenschaftsmagazin Forschung und Lehre ist Meditation nicht nur eine Denk- und Entspannungsübung, sondern sie wirkt sich positiv auf unsere Gefühlswelt und unsere zwischenmenschlichen Beziehungen aus. Die festgestellten Effekte schwanken dabei je nach Art der überprüften Meditationsart. Als therapeutische Maßnahme bei psychischen Problemen sollte Meditation nur ergänzend eingesetzt werden. Sie kann keine Psychotherapie ersetzen. 

Regelmäßige Meditationen wirkt sich je nach Meditationspraxis auch auf die Struktur Deines Gehirns aus. Diesen Zusammenhang untersuchte eine Havard-Studie aus dem Jahr 2011. Laut den Ergebnissen führte ein achtwöchiges Meditationsprogramm nicht nur zu Stressminderung, sondern auch zu einer messbaren Verändung von Hirnregionen. Betroffen sind davon die Regionen, die unter anderem unser Lern- und Erinnerungsvermögen sowie Empathiefähigkeit und Selbstwahrnehmung steuern.

Viele Forschende wie etwa der Psychologe Dr. Ulrich Ott empfehlen deshalb regelmäßiges Meditieren, um die mentale Gesundheit zu fördern.

 

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